Podcast zu meinem Buchkapitel
„Therapeutische Beziehung 3.0: Künstliche Intelligenz als systemische Intervention und psychologische Ko-Beratung“ (Seiten 465-478)
erschienen im Buch „KI in der kulturellen Bildung“, Band 2
koepad-Verlag, August 2026
herausgegeben von Horst Pohlmann, Susanna Endres & Walter Staufer
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Eine künstliche Intelligenz kann, aus der Art, wie sie lernt, im Grunde nur das „Normale“ rekonstruieren
als Mittelwert aus allen aufgezeichneten Realitäten. Genau deshalb kann sie dies auch oft so verblüffend gut imitieren. Das sind also Lösungen erster Ordnung.
Was ihr fehlt, ist der irritierende Impuls. Die Überraschung. Das, was wir in der systemischen Beratung eine Intervention nennen: ein Angebot, eine neue Sicht-, Verhaltens- oder Erlebensweise zu gewinnen.
Und ich finde, das ist ein ziemlich guter Gradmesser: Den Rahmen des Erwartbaren zu sprengen,
das wäre eine neue Kompetenz der KI. Daran werden wir erkennen, dass die KI-Kinderschuhe zu eng geworden sind.
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Am Ende wird KI für uns gleichzeitig Werkzeug sein, und auch Kooperationspartnerin – und gelegentlich selbst Thema der Beratung. Auf niedrigem Level bietet sie eine Infrastruktur an Dichte und Verfügbarkeit, die kein Präsenzangebot je erreichen wird – wenn auch mit normativen, erwartbaren Impulsen einer Maschine. Vielleicht immer noch besser als einsame Hilflosigkeit.
Das Bild bleibt also ambivalent: breite, niedrigschwellige Hilfe auf der einen Seite – Entmenschlichung, fehlende Qualitätsstandards und Lücken im Datenschutz auf der anderen. Bleibt die Frage der Verantwortung: Was kann KI übernehmen – und wo trifft sie womöglich bessere, wo schlechtere Entscheidungen als wir?
Wir brauchen dafür, neben technischen Kompetenzen, vor allem kritische Bewertungsfähigkeit, kontinuierliches Lernen und eine permanente Weiterentwicklung der eigenen professionellen Rolle & Haltung.
Was bleibt also – vorerst noch – menschlich?
Der irritierende, überraschende, manchmal auch unbequeme Impuls.
Die Beziehung, die sich nicht wegklicken lässt.
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